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"Eichmann and the Angel", 2005 / Installation view
Kunsthalle Basel, 2006 / Courtesy of the artist and Emanuel von Baeyer, London
Photo: Stefan Meier © Kunsthalle Basel, 2005
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Gustav Metzger (*1926) ist als Sohn polnisch–orthodoxer Juden in Nürnberg geboren und 1939 gemeinsam mit seinem Bruder Max-Mendel mit Hilfe des "Refugee Children Movement" nach Grossbritannien geflüchtet. Seitdem lebt er, unterbrochen von Auslandsaufenthalten in London. Der Künstler ist seit den frühen 60er Jahren eine wichtige Persönlichkeit im öffentlichen Leben Grossbritanniens. Nicht nur als Künstler hatte er einen massgeblichen Einfluss auf die britische, sowie auch internationale Kunstszene, sondern auch als politischer Aktivist, der sich vor allem in der Friedens- und Umweltbewegung engagiert hat.
Der Künstler hat Kunst stets als Teil eines gesamtgesellschaftlichen Kontextes verstanden, weshalb in seinen Projekten künstlerische Ausdrucksform untrennbar mit politischem Inhalt verbunden ist. 1959 hat er erstmals das Konzept der "Auto-destruktiven Kunst" veröffentlicht, dass er seitdem kontinuierlich ergänzt und weiterentwickelt hat. In Form von Vorträgen, Symposien und Demonstrationen im öffentlichen Raum hat Metzger versucht das Konzept bekannt zu machen und zu verbreiten. Laut Metzger sollte das, für moderne Industriegesellschaften charakteristische, zerstörerische Potential auf die Kunstproduktion übertragen und genutzt werden.
Mitte der 90er Jahre hat Gustav Metzger begonnen, an seiner Serie der "Historic Photographs" zu arbeiten. Durch die massenhafte Verbreitung von historischen Abbildungen aus der Zeit des Nationalsozialismus, die wir alle kennen und schon oft gesehen haben, verblassen diese und die dargestellten Verbrechen verlieren langsam ihre Grausamkeit. Metzger schafft in seiner Serie "Historic Photographs" einen neuen Zugang zu solchen Bildern. So kann man beispielsweise das Bild "To Crawl into – Anschluss, Vienna, March 1938", 1996/98 vom Anschluss Österreichs an das 3. Reich im März 1938 nur kriechend erfahren, da es unter einer Decke liegt.
Im Herbst 2005 wurde seine künstlerische Arbeit in einer grossen Retrospektive in der Generali Foundation in Wien gewürdigt, begleitet von der bisher umfassendsten Monografie "Geschichte Geschichte" über Gustav Metzgers Leben und Werk.
In der Kunsthalle Basel wird die neueste Installation von Gustav Metzger "Eichmann and the Angel", 2005, die im Herbst letzten Jahres in der Cubitt Gallery in London ausgestellt war, zu sehen sein. Die Installation verbindet auf einer vielfältigen Referenzebene die Biografien von Adolf Eichmann, Hannah Arendt und Walter Benjamin miteinander. Die Installation besteht aus einer Wand aus gestapelten Zeitungen, einem elektrischem Rollband, einem Lesebereich, den Schriftzügen "New York", "Jerusalem" und "Port Bou" die nebeneinander an der Wand angebracht sind und einer Glas- und Holzkonstruktion, die ein Nachbau der kugelsicheren Kabine Adolf Eichmanns ist, in der er 1961 seinen Prozess in Israel verfolgt hat. Inspiriert von Paul Klees Ölfarbzeichnung "Angelus Novus", verbindet die Installation in vielfältigen Referenzebenen die Philosophen Walter Benjamin und Hannah Arendt mit Adolf Eichmann und der Vorstellung von Geschichte als einem Engel der zurück schaut auf die Desaster der Vergangenheit, während er sich gleichzeitig Richtung Zukunft ausrichtet.
In den anschliessenden zwei Räumen wird Gustav Metzger seine neueste Arbeit "In Memoriam" zeigen, die er speziell für die Ausstellung in der Kunsthalle konzipiert hat. Inhaltlich führt sie das Thema der jüdischen Flüchtlingsgeschichte, wie es in "Eichmann and the Angel" angelegt ist fort und spannt den Bogen zur heutigen Situation von Flüchtlingen weltweit. Die skulpturale Installation, ein Labyrinth bestehend aus Menschengrossen senkrecht stehenden Quadern aus Karton die scheinbar zufällig platziert erscheinen, sind zunächst noch passierbar bis sie sich subtil verdichten und den Durchgang verwehren.
Diese Ausstellung wäre nicht möglich gewesen ohne die Mithilfe vieler Personen. Im besonderen sind David Bussel, Kurator und Charlotte Nourse von Cubitt Gallery in London zu nennen, die das Team der Kunsthalle Basel bei der Koordination des Transportes der Installation "Eichmann and the Angel" unterstützt haben und Emanuel von Baeyer, der mit seinen nützlichen Ratschlägen eine wichtige Hilfe während den Vorbereitungen für die Ausstellung war. Ein spezieller Dank geht an Dr. Andreas Nidecker, einem Mitglied des Basler Kunstvereins, für seine Bereitschaft die Ausstellung von Gustav Metzger zu unterstützen.
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