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 NEWS   25.04.2005

 

PREVIEW
SCHWEIZER PAVILLON
BIENNALE VENEDIG 2005/
SHAHRYAR NASHAT

12.06.2005 - 06.11.2005

La Biennale di Venezia
51st International Art Exhibition
Giardini
Venezia - Italy

http://www.labiennale.org

Öffnungszeit:
Geschlossen:
10-18 Uhr
Montags


Hide and Seek, 2005, 16mm-film installation on DVD, loop - Concept and editing: Shahryar Nashat. Camera: Cristina Gauttieri


SHADOWS COLLIDE WITH PEOPLE

SHAHRYAR NASHAT


Shahryar Nashat wurde 1975 im Iran geboren und wuchs in der Schweiz auf. Er ist seit seiner Geburt nicht mehr in den Iran zurückgekehrt. Zu Hause aber, daheim in Genf, gab es das Persische, das gleichzeitig nicht die Sprache der Schule, der Strasse, des Draussen war. Das war das Französische. So gab es bei ihm von Anfang an mehrere Sprachen.


Möglicherweise ist deshalb die Sprache seiner Video-Installationen oft eine des Untersagens, eine, die unter dem spricht, was gesagt wird, und die sich unter dem entwickelt, was versprochen ist. Seine Sprache ist die Sprache unterhalb des Sprechens. Sie ist eine Übersetzung, ein Versprechen. Für Jacques Derrida ist die Übersetzung ein anderes Wort für das Unmögliche.[1] Shahryar Nashat verspricht uns das Unmögliche. Jedesmal, wenn seine Figuren sprechen oder wenn Sprache im Bild eingeblendet wird, verspricht er unter dem Versprechen einer noch unerhörten Sprache, eines früher noch nicht hörbaren Poems:

«We had the idea of repeating ourselves.» ... «She can’t keep a hold of herself, it keeps on moving.» ... «All the way back, the reconstruction»: ... «There are facts, a man running out of a room, leaving a man lying on a bed. The man lying on a bed is lying on a clean, barely unmade bed in a gloomy room with a gloomy light. He’s got no real reason to be lying on a bed. No more reason than the man running out of the room. Because what just happened has no importance.» ... «And then he’s meant to disappear.» [2]

Shahryar Nashats Sprache spricht unterhalb dessen, was sich offenbart, obwohl das Sichtbare in seinen Arbeiten von unauslöschlicher Präsenz ist. Er untersucht psychologische und politische Strukturen unseres Daseins unterhalb der Evidenz einer Struktur und verbildlicht die Ästhetik menschlicher Makel und die Schönheit faschistischer Architektur hinter der Fassade des Sehens. Seine Sprache taucht hervor unterhalb des Gesprochenen, und seine Bilder werden sichtbar unterhalb des Sichtbaren. Und das, was wir sehen und lesen, provoziert ein Gefühl vor dem Fühlbaren, und man befragt das, was gesprochen und gezeigt wird, bevor es gesprochen oder sichtbar geworden ist. Er zeigt uns die Sehnsucht nach Identität, bevor die Identität ins Spiel gebracht wird. Seine Werke erzeugen eine Suggestion und nehmen uns ins Visier, noch bevor etwas aufgetaucht ist. Es ist alles bereits vorhanden, unterhalb von uns selbst, dort, wo wir nicht wohnen möchten, aber zu Hause sind.


Stefan Banz

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[1] Jacques Derrida, Die Einsprachigkeit des anderen oder die ursprüngliche Prothese, München 2003, S. 113
[2] Dieses Zitat ist zusammengesetzt aus Shahryar Nashats Titeln von Video-Installationen zwischen 2000 und 2003 und einem Textausschnitt aus seiner Arbeit All the way back, the reconstruction, 2001, s. Shahryar Nashat, We had the idea of repeating ourselves, Eigenverlag, 2003
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